Vermehrung

1.Blattstecklinge 2.Samen 3.Teilung

1. Blattstecklinge

Die Vermehrung über Blattstecklinge verläuft im allgemeinen sehr erfolgreich. Sie beruht darauf, dass jedes Blatt Zellen besitzt aus denen eine komplett neue Pflanze hervorgehen kann (Meristemgewebe). Wenn das Blatt von der Mutterpflanze entfernt wird dann bildet sich zuerst ein Wundgewebe. Anschließend teilen sich die Meristemzellen und bilden neue Pflanzenzellen. Es entsteht eine genetisch identische Tochterpflanze (Klon). Vorgehensweise (bei Drosera / Sonnentau):
  1. Moorboden (Torf) in einen Topf füllen (bis ca. 1cm unter den Rand)
  2. Topf gut wässern
  3. geeignete Blätter (groß und kräftig) so weit unten wie möglich abschneiden - nicht zu viele pro Pflanze
  4. Blätter leicht in die Erde stecken (schräg, max. 1cm tief)
  5. Topf komplett mit einer Klarsichtfolie überdecken, damit Luftfeuchtigkeit möglichst hoch ist
  6. Topf an einen sehr hellen Ort stellen (nicht volle Sonne) und immer feucht halten (Anstauverfahren)
  7. Blätter sterben langsam ab - bleiben nur im unteren Bereich grün
  8. abhängig von den Umweltfaktoren (Licht, Wasser, Temperatur) entwickeln sich in 4-8 Wochen junge Pflanzen
  9. wenn Pflanze 4-5 Blätter hat, dann umpflanzen
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Blattsteckling der Venusfliegenfalle

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2. Samen

Vorraussetzung für die Vermehrung durch Samen ist die Bildung von Blüten. Aber Blüten bilden sich nur bei guten Umweltbedingungen für die Pflanze. Viele Karnivoren wie z.B. Drosera / Sonnentau sind einhäusig, das heißt es gibt nur ein 'Geschlecht', keine Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen. So ist in den meisten Fällen eine Vermehrung mit zwei verschiedenen Pflanzen erfolgreich. Wenn die Art bei Selbstbefruchtung auch Samen bildet, dann reicht eine einzige Pflanze für die Vermehrung mit Samen aus. Die Bestäubung der Blüten erfolgt in der Natur durch kleine Fliegen. Da diese Tiere auch als Beute dienen ist der Blütenstiel im Verhältnis zur Pflanze sehr lang. Mit der großen Entfernung der Blüte zu den gefährlichen Fangblättern ist die Chance einer erfolgreichen Bestäubung größer. Nachdem die Blüten verblüht sind und die Blütenstände mit Stiel völlig vertrocknet sind, fallen die Samen aus den Kapseln. Die Samen bei z.B. Drosera / Sonnentau sind klein wie Staub und verteilen sich somit sehr leicht. Wer die Samen aufheben möchte, der schneidet den vertrockneten Blütenstand ab und lagert ihn trocken, kühl und dunkel (Kühlschrank). Zur Vermehrung streut man die Samen auf feuchten Torf und stellt das Gefäß an einen sehr hellen Ort. Die Samen nicht mit Erde bedecken, da die Karnivoren Lichtkeimer sind. Nach ein paar Wochen entwickeln sich kleine Pflanzen. Die Samen verlieren mit zunehmender Lagerdauer an Keimfähigkeit.

3. Teilung

Viele Pflanzen entwickeln Seitentriebe, z.B. Nepenthes / Kannenpflanze. Diese Seitentriebe werden lediglich von der Mutterpflanze abgetrennt und in feuchten Torf gesteckt. Es entwickeln sich dann Wurzeln. Oder man schneidet zu groß gewordene Nepenthes einfach unterhalb der letzten 3-4 entwickelten Blätter ab und steckt die Spitze ebenfalls in feuchten Torf. Um die Wurzelbildung zu beschleunigen kann man die abgeschnittenen Enden mit Bewurzelungshormonen behandeln. (Nicht Bewurzelungsmittel auf Nährstoffbasis!) Diese Hormone werden synthetisch hergestellt und sind denen der Pflanzen ähnlich. (z.B. Seradix) Bei vielen Sarracenien / Schlauchpflanzen entwickeln sich auch neben dem Hauptvegetationspunkt kleine, teilweise unvollkommene Schläuche. Diese unterirdischen Seitentriebe kann man mit einigen Wurzeln von der Mutterpflanze trennen und wiederum in feuchten Torf stecken. Mit etwas Glück und Geduld wurzelt der Seitenschlauch an und die Pflanze entwickelt sich weiter.

Wurzelschnittling von Drosera binata 'T-form'

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Vorsicht: Die Vermehrung über Blattstecklinge und Teilung schwächt immer die Mutterpflanze. Die benutzten Geräte desinfizieren( z.B. abkochen) und die Schnittstellen mit Holzkohlepulver versiegeln. Ansonsten kann die Mutterpflanze eingehen.
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